Corona und die Tierindustrie

Entstehung von Viren und Pandemien und die Bedeutung der Tier- und Agrarindustrie

An dieser Stelle sammeln wir Links zu interessanten Artikeln, die den Zusammenhang zwischen der Tierindustrie und dem Entstehen und Ausbreiten von Zoonosen wie dem neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 aufgreifen. Die Artikel spiegeln dabei nicht immer die Positionen und Ansichten des Bündnisses wider, sondern stellen inhaltlich interessante Hintergrundinformationen bereit.

Aktuelle Berichte und Artikel zu den Auswirkungen der globalen Corona-Pandemie auf die Tierindustrie findet ihr auf unserem Watchblog.

Wir freuen uns über Hinweise auf weitere, hier nicht aufgeführte Quellen und Artikel zu der Thematik. Schreibt dafür an: mail@gemeinsam-gegen-die-tierindustrie.de

„Viren gedeihen auch in unseren Ställen“

„Es werden uns immer wieder neue Viren heimsuchen. Die Zahl der zoonotischen Viren, die vom Tier auf den Menschen überspringen, ist in den vergangenen 50 Jahren steil angestiegen. Es ist also zu bedauern, dass nach Sars die Forschung so schnell wieder stoppte. Wir schlagen uns jetzt mit einem Virus herum, das genetisch zu 78 Prozent mit dem Sars-Virus identisch ist. Bis vor Kurzem haben wir noch vergeblich versucht, Geld für die Erforschung von Impfstoffen und Therapien gegen das Sars-Virus zu bekommen. […] Hätten wir früher weitere Schritte unternehmen können, dann hätten wir jetzt womöglich Antikörper, um Patienten zu behandeln und Menschen in Krankenhäusern zu schützen.“

„Die Viren gedeihen auch in unseren Ställen. Je mehr Tiere zusammen auf einer kleinen Fläche gehalten werden, desto leichter können Viren zirkulieren und desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass sie früher oder später auf den Menschen überspringen. In dieser Hinsicht stellt die Massentierhaltung ein Risiko für die öffentliche Gesundheit dar.

Sind die Sicherheitsstandards hier nicht viel höher als in Asien?

Gewiss, aber selbst in gut geführten Betrieben ist es fast unmöglich, Viren fernzuhalten. Unter sterilen Bedingungen kann man kein Vieh züchten. Ganz gleich, wie sauber und hygienisch man dabei vorzugehen versucht, man kann solche Fälle nicht ausschließen.“

Spektrum: Der Virologe Peter Rottier erklärt, warum immer wieder neue Coronaviren auftauchen werden und thematisiert neben der Bedeutung der Tierindustrie auch eine unzureichende Forschung.

veröffentlicht am 09.Mai 2020

Gründe der Covid-19-Pandemie verstehen: Ökologische Zerstörung

„Die industrielle Landwirtschaft und insbesondere die Massentierhaltung sind ein ganz besonderer Grund für die immer häufiger auftretenden Pandemien. Durch Züchtung genetischer Monokulturen von Nutztieren werden alle eventuell vorhandenen Immunschranken beseitigt, die die Übertragung verlangsamen könnten. Eine große Tierpopulation und -dichte fördert hohe Übertragungsraten. Es kann beispielsweise sein, dass wildlebende Vögel Grippeviren in Geflügelmastbetriebe bringen, wo sie mutieren und sehr viel gefährlicher als in freier Wildbahn werden. Erinnern wir uns daran, dass um die Gefahr der Vogelgrippeviren zu minimieren, 2006 in Deutschland millionenfach Geflügel gekeult wurde.“

anfdeutsch.com: Viele Erreger von Infektionskrankheiten stammen von Tieren. Nur selten kommt aber die Vernichtung von Ökosystemen und Biodiversität zur Sprache, die bei der Übertragung von Viren auf den Menschen eine zentrale Rolle spielt.

veröffentlicht am 20. April 2020

Corona Fried Chicken – Megaviren, Massentierhaltung und Millionenstädte

„Industrielle Nutztiere sind daher ideale Populationen als Träger ansteckender Krankheitserreger. Genetische Monokulturen von Tieren beseitigen alle natürlichen Immunschranken, die sonst die Übertragung verlangsamen könnten.“

Marx21-Magazin: Wer verstehen will, warum sich immer mehr tödliche Viren verbreiten, muss die globale Nahrungsmittelproduktion ins Visier nehmen.

veröffentlicht am 01. April 2020

„Auslöser sind Umweltveränderungen“

„Durch den Verlust natürlicher Lebensräume und einhergehender drastischer Abnahmen der Populationen nimmt zudem die genetische Vielfalt ab. Wird eine Tierart selten, sinkt mit dem verringerten Genpool die Immunabwehr. Dabei spielt auch Stress eine Rolle.“

taz: Interview mit der Biologin Simone Sommer: Die Corona-Pandemie wäre ohne den Menschen nicht entstanden. Naturschutz sei auch für unsere Gesundheit zentral.

veröffentlicht am 31. März 2020

New research suggests industrial livestock, not wet markets, might be origin of Covid-19

„In this scenario, SARS-CoV-2 would have evolved to its present form in an animal host before transfer to humans. Like many other scientists, the Scripps researchers think that it is most likely that the initial transmission would have occurred from bats to an intermediate animal host, where the virus then evolved to its current form. […] But hardly any attention has been given to some other animals on this list, which more clearly meet the “high population density” criteria. Pigs would be one obvious candidate from this list, for several reasons.“

Übers.: „In diesem Szenario wäre SARS CoV-2 in seiner aktuellen Form in einem Wirtstier entstanden sein, bevor es auf den Menschen übertragen wurde. Wie viele andere Wissenschaftler*innen auch vermutet das Scripps-Forschungsteam, dass die ursprüngliche Übertragung am wahrscheinlichsten durch Fledermäuse an einen Zwischenwirt erfolgt ist, wo das Virus sich dann in seine aktuelle Form entwickelte. […] Aber wenig Aufmerksamkeit wurde bisher anderen Tieren auf dieser Liste gewidmet, welche das Kriterium (des Zwischenwirts, Anm.: GgdT) am stärksten erfüllen. Schweine könnten aus verschiedenen Gründen ein naheliegender Kanditat aus dieser Liste sein.“

GRAIN: Forscher*innen beschreiben alternative Szenarien, wie das neuartige Coronavirus auf den Menschen übertragen worden sein könnte und welche Rolle die Fleischindustrie hierbei gespielt haben könnte.

veröffentlicht am 30. März 2020

Ist Fleischkonsum schuld am Corona-Virus?

„Machen wir so weiter, scheitern wir“, bringt auch Johannes Vogel das Problem in einem Gastbeitrag für den Tagesspiegel auf den Punkt. Laut Vogel, der Generaldirektor des Berliner Museums für Naturkunde und Professor für Biodiversität und Wissenschaftsdialog an der Humboldt-Universität zu Berlin ist, schauen wir zu wenig auf die Tatsache, dass ein überhebliches Mensch-Natur-Verhältnis viele unserer Probleme befeuere, meist sogar verursache. Maßnahmen gegen den illegalen Handel mit Wildtieren durchzusetzen, sei genauso möglich, wie die natürlichen Ressourcen zum Wohle aller Menschen zu nutzen und dem Klimawandel Einhalt zu gebieten: Die Technik sei da, allein es mangele am Willen, gemeinschaftlich zu handeln. Vogel kommt zum Schluss: „Das Wirtschafts- und Wertesystem, das auf der Ausbeutung der Natur, ihrer nicht-nachhaltigen Nutzung beruht, wird scheitern. Jetzt wissen wir es sogar in der westlichen Welt: Ganz gleich, ob das neue Coronavirus nun über Schuppentiere, Fledermäuse oder andere Kreaturen zum Menschen kam, wir müssen neu definieren, wie wir uns zur Natur stellen. Es ist an Zeit zu begreifen, der Mensch ist und bleibt Teil der Natur und ist für sein Überleben elementar auf sie angewiesen. Wir brauchen einen Wertewandel – für Natur.““

veganinfo: Viele bedeutende Wissenschaftler*innen sind sich einig: Naturzerstörung und die Tierindustrie begünstigen die Entstehung von Pandemien wie dieser

veröffentlicht am 29. März 2020

Was Forscher über den Ursprung der Pandemie wissen

„Anfang 1918 dokumentierte ein Arzt im US-Bundesstaat Kansas eine Krankheit, die hohes Fieber und Husten verursachte und sich in den kommenden Jahren weltweit ausbreitete. 50 Millionen Menschen starben an der Seuche, bekannt als Spanische Grippe. Inzwischen konnten Forscher den wahrscheinlichen Ursprung im Mittleren Westen der USA lokalisieren, wo das Virus vom Schwein auf den Menschen übergesprungen war.

Auch in den darauffolgenden Jahrzehnten schlummerten die Viren vom Typ H1N1 weiter in Schweinen und lösten im Jahr 2009 eine weitere Pandemie aus: Die Schweinegrippe.“

der Spiegel: Fleischproduktion steigert das Pandemierisiko

veröffentlicht am 28. März 2020

Das kommt nicht von außen

„Das beschreibt, wie abhängig unser System und unser Alltag von der Ausbeutung von Menschen und Natur sind. Covid-19 und seine Folgen sind nicht einfach eine Bedrohung von außen, sondern aus dem System heraus entstanden. Wenn wir nun vor leeren Supermarktregalen stehen oder uns darum sorgen, ob unsere Verwandten bei einer Infektion überhaupt behandelt werden, sollten wir begreifen, wie existentiell krisenanfällig der Kapitalismus ist und wie sehr die ökologische und die soziale Frage zusammenhängen. Es wichtiger denn je, darüber nachzudenken, wie wir dieses System ändern können. Das würde Umwelt und Klima wirklich helfen – genauso wie einem global gerechten Gesundheitssystem.“

der Freitag: Was Epidemien mit der Zerstörung intakter Ökosysteme durch den Menschen zu tun haben

veröffentlicht am 24. März 2020

„Die Wahrscheinlichkeit von Pandemien steigt mit der zunehmenden Vernichtung von Ökosystemen“

„Die Menschheit schafft geradezu die Bedingungen dafür, dass sich Krankheiten ausbreiten. Wir reduzieren die Barrieren zwischen dem Menschen und den Wirtstieren, in denen solche Viren natürlicherweise zirkulieren. Wir mussten von der Ausbreitung einer pandemischen Influenza ausgehen, genauso wie von vielen Todesfällen. Und wir können damit rechnen, dass es weitere Erreger mit zum Teil noch gravierenderen Auswirkungen geben wird. Große Änderungen in der Landnutzung führen zum Verlust von Lebensräumen, was zu höheren Populationsdichten einiger Arten und auch zu mehr Kontakten zu Menschen führt. Die Arten, die überleben, ändern ihr Verhalten und teilen sich in zunehmenden Maße Lebensräume mit anderen Tieren und eben mit dem Menschen.“

Riff Reporter: Interview mit den Umweltforschern Josef Settele und Joachim Spangenberg zum Zusammenhang von Corona-Krise und Umweltzerstörung.

veröffentlicht am 23. März 2020

Von Tier zu Mensch

„Nicht nur der Verlust von Lebensräumen vergrößert das Risiko von Krankheitsausbrüchen, sondern auch, wie wir mit Tieren umgehen, die für den menschlichen Verzehr vorgesehen sind.“

Aus Le Monde diplomatique: Viele Krankheitserreger stammen von Wildtieren. Bei der Übertragung auf den Menschen spielt die Zerstörung von Lebensräumen eine zentrale Rolle.

veröffentlicht am 21. März 2020

Virologe Christian Drosten: „Wir haben in Deutschland einige Vorteile gegenüber anderen Ländern“

„Der aktuelle Grund sollte jetzt sehr überzeugend sein, notwendige Veränderungen in Angriff zu nehmen. Das Problem ist der Fleischhunger in der sich ausweitenden Gesellschaft.“

der Stern: Christian Drosten im Interview über den Ursprung der Corona-Viren

veröffentlicht am 21. März 2020

‚Tip of the iceberg‘: is our destruction of nature responsible for Covid-19?

„In 2008, Jones and a team of researchers identified 335 diseases that emerged between 1960 and 2004, at least 60% of which came from animals. Increasingly, says Jones, these zoonotic diseases are linked to environmental change and human behaviour. The disruption of pristine forests driven by logging, mining, road building through remote places, rapid urbanisation and population growth is bringing people into closer contact with animal species they may never have been near before, she says.“

Übers.: „Im Jahr 2008 identifizierten Jones und ein Forschungsteam 335 Krankheiten, die zwischen 1960 und 2004 auftraten und von denen mindestens 60% von Tieren stammten. Zunehmend, sagt Jones, werden diese zoonotischen Krankheiten mit Umweltveränderungen und menschlichem Verhalten in Verbindung gebracht. Die Zerstörung unberührter Wälder durch Abholzung, Bergbau, Strassenbau durch abgelegene Orte, rasche Urbanisierung und Bevölkerungswachstum bringt die Menschen in engeren Kontakt mit Tierarten, denen sie vielleicht noch nie zuvor nahe waren, sagt sie.“

The Guardian: Durch den weltweit zunehmenden Verlust an Lebensraum und biologischer Vielfalt könnte der Coronavirus-Ausbruch nur der Anfang von massenhaften Pandemien sein.

veröffentlicht am 18.März 2020

Soziale Ansteckung

„Tatsächlich ist die »natürliche« Sphäre bereits unter ein vollständig globales kapitalistisches System subsumiert, das das Klima grundlegend verändert und die meisten vorkapitalistischen Ökosysteme zerstört hat.“


Analyse und Kritik:
Gekürzte Übersetzung des engl. Textes „Social Contagion“ vom Chuang-Blog (http://chuangcn.org/2020/02/social-contagion/)

veröffentlicht am 17. März 2020

Viraler Kapitalismus

„Andererseits fördert die profitgetriebene Massentierhaltung die Entstehung und Verbreitung von Viren und Epidemien innerhalb des Tierreichs, da die Tiere nicht nur unter den brutalsten und unhygienischsten Bedingungen hochgezüchtet werden, was die Virenübertragung und -ausweitung extrem fördert, sondern aus „Effizienzgründen“ eine Monokultur bei der Züchtung bevorzugt wird, die zusätzlich eine Ausbildung von Resistenzen der Tiere verringert.“

re:volt Magazin: Eine virale Krise des Kapitalismus versetzt die Welt in Starre und trifft die Schwächsten. Dagegen gilt es, Solidarität zu organisieren und linke Perspektiven stark zu machen.

veröffentlicht am 11. März 2020

Coronavirus: Die Agrarindustrie würde Millionen Tote riskieren

„Um das Ausbrechen neuer Virusinfektionen einzuschränken, muss die Nahrungsmittelproduktion radikal verändert werden.“

Marx21-Magazin: Ein Gespräch mit dem Evolutionsbiologe Rob Wallace über die Gefahren von Covid-19, die Verantwortung der Agrarindustrie und nachhaltige Lösungen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten.

veröffentlicht am 11. März 2020

Connecting the Coronavirus to Agriculture

„So while the distinction between factory farms and wet markets isn’t unimportant, we may miss their similarities (and dialectical relationships). […] Spreading factory farms meanwhile may force increasingly corporatized wild foods companies to trawl deeper into the forest, increasing the likelihood of picking up a new pathogen, while reducing the kind of environmental complexity with which the forest disrupts transmission chains.“

Übers.: „Während also der Unterschied zwischen Massentierhaltungsbetrieben und „wet markets“ nicht unwichtig ist, könnten wir ihre Ähnlichkeiten (und dialektischen Beziehungen) übersehen. […] Die Ausbreitung von Tierfabriken unterdessen kann zunehmend korporatisierte Wildnahrungsmittelfirmen dazu zwingen, tiefer in den Wald zu vorzudringen, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, einen neuen Krankheitserreger aufzunehmen, und gleichzeitig die Art der Umweltkomplexität verringert, mit der der Wald die Übertragungsketten unterbricht.“

Counterpunch: Evolutionsbiologe Rob Wallace über die Entstehung und Verbreitung von Viren wie dem neuartigen Coronavirus und der Bedeutung kapitalistischer Nahrungsmittelproduktion und Umweltzerstörung hierfür.

veröffentlicht am 24. Februar 2020